Unternehmen Befreiung

Philip Pinguin erzählt

PaulaSie trafen sich am Zaun hinter den Käfigen. Gut verborgen hinter dem dichten Gebüsch, das um die Käfige herum wucherte, warteten sie. Ein paar Krähen hockten auf dem Dach und beobachteten den Eingang. Sie gaben das vereinbarte Zeichen als der Besuch erschien. Sie warteten gespannt weiter. Dann endlich war es so weit. Der Besuch stieg schon ins Auto, während der Mann den Hund von der Kette ließ. Dann stieg auch er ein und sie fuhren davon. Der Hund rannte in den Garten und ließ den Hofplatz unbewacht.

Gwendolin und der Fuchs kletterten über den Zaun und rannten zur Käfigtür. Der Fuchs stellte sich auf die Hinterbeine, Gwendolin stieg auf seine Schultern. Sie konnte gerade eben den Riegel erreichen. Zum Glück ließ er sich leicht bewegen. Die Tür sprang auf. Paula huschte hinaus. Gwendolin warf den mitgebrachten Teddy in den Käfig und sie riegelten die Tür wieder zu. Gwendolin schob Paula zum Zaun und half ihr hinüber.

„Aber ich möchte doch mithelfen“, protestierte Paula.

„Das kannst du am besten, indem du laut stöhnst und jammerst, wenn der Mann zurückkommt, schließlich braucht er einen Grund, um in den Käfig zu gehen. Außerdem: Wenn der Rest unseres Plans nicht klappen sollte, dann bist du wenigstens draußen. Drück uns die Daumen.“

Gwendolin und der Fuchs versteckten sich dicht neben dem Käfig. Und jetzt hieß es wieder: warten. Hinten über dem Garten konnten sie die Vögel sehen, die mit den bunten Tüchern einen Tanz aufführten. Der Hund rannte wie verrückt hinter den Tüchern her.

„Das klappt“, freute sich der Fuchs.

Das Auto kam zurück, fuhr in die Einfahrt, der Mann stieg aus, machte das Tor zu, steckte den Schlüssel in die Haustür und kam dann in den Hof. Im ersten Augenblick schien er nichts zu bemerken. Aber dann hörte er das klägliche Stöhnen und Jammern.

„Paula macht das wirklich gut“, murmelte der Fuchs anerkennend.

Der Mann rannte zum Käfig, sah die zusammengekrümmte Gestalt in einer Ecke des Käfigs. Er schimpfte auf den unnützen Bären, der nichts als Ärger verursachte. Er stieß Drohungen aus, aber die Gestalt rührte sich nicht. Schließlich machte er die Tür auf, ging hinein und bückte sich über den Teddy.

In dem Augenblick sprangen Gwendolin und der Fuchs aus ihrem Versteck. Sie warfen die Tür zu und Gwendolin schob den Riegel vor. Der Mann hörte das Geräusch, drehte sich um und starrte fassungslos auf die verriegelte Tür. Er warf sich dagegen, aber er hatte den Käfig sehr stabil gebaut. Die Tür gab nicht nach.

Dann bemerkte er Gwendolin und den Fuchs, die gerade den anderen Käfig öffneten. Mit aufgerissenen Augen und offenem Mund stierte er auf dieses Bild.

Die Vögel drängelten, flatterten durcheinander, purzelten übereinander. Jeder wollte der erste sein, der endlich diesen Käfig verließ. Als alle draußen waren, liefen Gwendolin und der Fuchs zum Zaun. Rabe gab den Krähen ein Zeichen, dass sie mit den Tüchern zurückkommen sollten.

Da piepste eine Stimme verzweifelt: “Ich hänge fest. Helft mir.“

Die entsetzte Spatzenmutter schrie auf. Der Mann hatte die Schnur vom Bein des Spatzen, den er gestern gequält hatte, nicht wieder abgemacht und diese hatte sich jetzt im Draht verfangen.

„Ich hole ihn“, rief Gwendolin und rannte los.

„Der Hund kommt“, schrie jemand.

„Ich kümmer mich darum.“ Der Fuchs sauste auf den Hund zu. Er traf ihn mit mit so großer Geschwindigkeit in die Seite, dass der Hund sich ein paarmal überschlug, noch ein Stück weiter kugelte bevor er benommen liegenblieb. Der Fuchs blieb stehen und beobachtete ihn aufmerksam.

„Ich hab den Spatz, alles in Ordnung“, hörte er Gwendolin rufen. Da wandte er sich um, rannte zum Zaun und kletterte zu den anderen hinüber. Der Spatz hockte auf Gwendolins Schulter, ein Stück Faden hing immer noch an seinem Bein.

„Das machen wir nachher zuhause ab. So, und jetzt verschwinden wir hier besser“, sagte Mimi.

Der Mann stand immer noch regungslos im Käfig.

Hier geht die Geschichte weiter…

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