Endlich frei…

…und wieder Zuhause

Paula„Ich weiß wirklich nicht, was mich getrieben hat über den Bach zu gehen und dann einfach immer weiter bis ich plötzlich an dem Zaun stand. Ich konnte einfach nicht umkehren, ohne mich zu vergewissern, ob es wirklich der Platz mit den Käfigen war. Und dann ist der Ast abgebrochen und ich bin in den Hof gefallen. Und dann hatte ich das große Glück, dass der Spatz kam. Wer weiß, ob ihr mich sonst gefunden hättet. Ich bin euch allen schrecklich dankbar.“ Paula seufzte und fragte sie zweifelnd: „Können wir den Mann einfach eingesperrt lassen? Er hat doch nichts zu essen.“

„Hast du etwa Mitleid mit dem Kerl?“ fragte der Fuchs. „Hat er dir heute etwas gegeben?“

„Nein“, antwortete Paula. „Aber trotzdem. Was ist, wenn er stirbt?“

„So schnell geht das nicht. Ein Mensch kann ganz gut ein paar Tage ohne Essen und Trinken auskommen. Frag die Vögel, die würden ihm wahrscheinlich am liebsten den Hals umdrehen. Ich übrigens auch. Und wenn wir Pech haben, holt der Hund Hilfe.“ erklärte der Fuchs.

„Außerdem sind einige Krähen als Beobachter zurückgeblieben. Sie lösen sich auf dem Posten ab und berichten, was sich getan hat. Falls irgendetwas Ungewöhnliches geschehen sollte, erfahren wir das sehr schnell.“ sagte Rabe.

„Wir haben dabei ein richtiges Abenteuer erlebt. Das heute hat wirklich Spaß gemacht“, meinte eine andere Krähe. Die übrigen stimmten begeistert zu. „Ja, du hast dafür gesorgt, dass wir ein tolles Abenteuer erlebt haben.“

„Was machen wir jetzt?“ erkundigte sich die Krähe. „Einfach nur abwarten?“

„Also ich bin neugierig, ich werde jeden morgen hingehen und eine Weile warten, ob sich etwas tut.“ verkündete Mimi.

„Wir kommen mit.“ riefen einige. „Wir gehen alle.“

Zwei der Beobachter kamen von ihrer ersten Wache. Einer berichtete:

„Es ist alles ruhig. Der Mann stand ewig lange auf demselben Fleck und rührte sich nicht. Dann hat er sich in eine Ecke gekauert. Da sitzt er wahrscheinlich immer noch. Der Hund hat sich nach einer Weile aufgerappelt, schlich vorsichtig zum Hof, setzte sich auf sein Hinterteil und staunte die Käfige an. Er sah aus als ob er angestrengt nachdachte. Schließlich rannte er weg und tauchte endlich wieder mit einem großen Kissen auf, das er in seine Hütte stopfte und es sich darauf gemütlich machte. Er hat offensichtlich nicht vor, den Mann irgendwie zu helfen. Das kann uns ja nur Recht sein, oder?“

Jeden Morgen wanderten sie zu dem Haus. Zwei Tage rührte sich nichts. Der Mann kauerte immer noch in einer Ecke. Der Hund verschlief die meiste Zeit in seiner Hütte. Ab und zu ging er in den Garten. Irgendwo hatte er anscheinend etwas zu essen gefunden. Da das Haus einsam und abgelegen stand, fuhr nicht einmal ein Auto vorbei.

Am dritten Tag erschien der übliche Besucher. Er wunderte sich, dass auf sein Klingeln niemand öffnete und der Schlüssel im Schloss steckte. Er kam in den Hof, sah den offenen Vogelkäfig und dann den Mann. Er beeilte sich, die Tür zu öffnen und wollte den Mann herausholen. Aber der wehrte sich nach Kräften und schrie wie am Spieß. Er schien panische Angst zu haben. Dem Besucher blieb nichts andres übrig als die Tür wieder abzusperren. Da erst beruhigte sich der Mann wieder.

Der Besucher telefonierte nach Polizei und Rettungswagen. Während er auf Hilfe wartete, ging er zu dem Hund, der jetzt neben seiner Hütte kauerte, und streichelte ihn.

„Du kommst mit zu mir.“ Der Hund wedelte freudig mit dem Schwanz.

Die Sanitäter mussten den Mann fesseln, um ihn wegbringen zu können. Der Besucher ging mit Polizisten ins Haus, um Sachen für den Mann zu holen. Sie ließen die Tür offen.

„Ich seh mal nach“, sagte Rabe.

„Sei bloß vorsichtig!“

„Ja, mach ich.“

Die Männer standen noch im Flur und beratschlagten. Der Besucher kannte nur das Wohnzimmer. Sie mussten in allen Zimmern nachsehen. Sie entschieden sich für die erste Tür auf der linken Seite. Hohe Regale, in denen jede Menge Fallen der verschiedensten Sorten aufgestapelt waren, nahmen den meisten Platz im Raum ein. In einer Ecke stand noch eine große Gefriertruhe. Jemand öffnete sie: sie war voller Tierkadaver. Vor lauter Schreck hätte Rabe sich beinahe verraten. Er floh nach draußen.

„Bloß weg hier! Kommt!“

Sie sahen sein Gesicht und niemand stellte eine Frage. Zuhause hatte sich Rabe soweit beruhigt, dass er ihnen von seiner Entdeckung erzählen konnte. Paula war genauso entsetzt wie die anderen. Das was sie jetzt erfuhr, beseitigte ihren letzte Zweifel: der Mann hatte seine Strafe verdient.

Hier ist der Schluss der Geschichte…

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