Die Freunde schmieden Pläne…

…um Paula zu befreien

GwendolinPlötzlich piepste eine Stimme: „Ist einer von euch Rabe?“ Ein kleiner Spatz war auf einem Zweig über ihnen gelandet.

„Ja, ich bin Rabe.“

„Ich habe eine Nachricht für dich von Paula.“

„Von Paula?“

„Ja, mein Junge ist gefangen und in einen Käfig eingesperrt worden. Das Einzige, was ich tun kann, ist ihn so oft wie möglich besuchen, ihm Mut zuzusprechen und etwas zu essen zu bringen. Ich fürchte er wird trotzdem nicht mehr lange leben. Gerade war ich wieder da. Im Käfig nebenan sitzt Paula. Sie hat mich gebeten Rabe zu suchen und hinzubringen. Wenn ihr es schafft sie zu befreien, könnt ihr sicher auch die Vögel befreien, hat Paula gemeint.“

„Wir schaffen das ganz bestimmt. Da bin ich sicher. Und du bekommst deinen Jungen wieder. Kannst du mich auch im Dunkeln hinbringen, damit ich mit Paula sprechen kann?“ fragte Rabe.

„Ja, das kann ich. Ich zeige dir wie du sicher zu dem Käfig kommst, ohne in einer Falle zu landen.“

„Nein, warte. Iss erstmal was und nimm noch was für deinen Jungen mit. Ich nehme auch was mit.“

Der Spatz seufzte dankbar und langte zu. Dann machten sie sich begleitet von einigen Krähen auf den Weg. Die anderen warteten ungeduldig. Endlich tauchte Rabe wieder auf.

„Paula hat es doch tatsächlich geschafft, wieder im selben alten Käfig zu landen.“ verkündete er.

„Können wir sie heute noch befreien?“ wollte Gwendolin wissen.

„Nein, das geht nicht. Ich erzähle euch, was ich mit Paula besprochen habe. Also: Wir wollen ja nicht nur Paula und die Vögel befreien, sondern dem Mann eine Lehre erteilen, die er nicht mehr vergisst. Wir werden ihn in seinen eigenen Käfig sperren. Und morgen ist ein guter Tag dafür. Zweimal in der Woche bekommt der Mann Besuch. Sie gehen eine Weile ins Haus. Dann lässt der Mann den Hund von der Kette und beide Männer fahren im Auto weg. Er kommt immer schon nach kurzer Zeit allein zurück. Dann bindet er den Hund wieder an. Ach ja, der Hund verbringt die freien Minuten hinten im Garten anstatt das Haus zu bewachen. Sowie er das Auto hört läuft er wieder zurück. Jedes Mal dasselbe.

Ab nachmittags verlässt der Mann das Haus nicht mehr. Deshalb haben wir heute keine Möglichkeit, aber morgen. Morgen kommt der Besuch. Der würde ihn ja sonst auch gleich finden. Wenn wir den Mann morgen einsperren, dauert es ein paar Tage bis wieder jemand kommt. Das ist doch viel besser.“

„Ja, das passt wunderbar. Und jetzt brauchen wir einen Plan.“ sagte Mimi.

„Genau. Paula und ich haben uns Folgendes überlegt: sowie der Mann mit seinem Besuch wegfährt, müssen wir Paula aus dem Käfig holen und die Tür wieder zumachen. Aber wie locken wir dann den Mann in den Käfig? Und wir müssen verhindern, dass der Hund  zurückkommt. Aber wie? Ach ja, sobald der Mann im Käfig ist, machen wir die Tür zu und schieben den Riegel vor. Die Tür hat nur einen einfachen Riegel, aber der ist auf einer Platte befestigt, sodass man den Riegel von innen nicht zurückschieben kann. Er kann sich also nicht selber befreien. Wenn der Mann im Käfig sitzt, lassen wir die Vögel raus. Den Käfig können wir dann offen lassen. Jetzt brauchen wir gute Ideen.“

„Ich könnte mich um den Hund kümmern“, schlug der Fuchs vor.

„Dann wirst du womöglich verletzt.“ Der Gedanke behagte Gwendolin überhaupt nicht.

Rabe erklärte: „Fuchs, wir brauchen dich unbedingt bei der Tür. Keiner von uns ist groß genug, um allein an den Riegel zu kommen. Und wenn der Mann im Käfig ist, muss es sehr schnell gehen.“

„In Ordnung, dann könnte Gwendolin auf meinen Rücken oder auf meine Schultern steigen.“ „Ja, das geht. Gut ein Problem gelöst. Jetzt weiter.“

Mimi meldete sich: „Ich glaube, ich weiß eine Lösung. Dafür müssen Gwendolin und ich kurz auf den Boden gehen. Wir sind gleich wieder da.“

„Da bin ich aber gespannt“, grinste Rabe.

Kurz darauf kam Gwendolin mit einem großen alten Teddybären im Arm zurück. Der hatte bestimmt schon bessere Tage erlebt. Ein Auge fehlte. Das eine Ohr hing nur noch an einem Faden. Das Fell sah aus als hätten sich die Motten daran gütlich getan. Dann erschien Mimi mit einer Schachtel. Sie winkte eine Krähe zu sich und gab ihr etwas in den Schnabel. Die Krähe flog auf und ein langes, breites Tuch aus dünnem durchscheinendem Stoff entfaltete sich. Selbst in der Dunkelheit konnten sie erkennen, dass es in verschiedenen Farben leuchtete.

„In der Schachtel sind noch mehr Tücher. Ich dachte, dass man den Hund damit ablenken könnte. Und wenn wir Paula aus dem Käfig geholt haben, legen wir den Teddy rein. Was meint ihr?“

Der Vorschlag fand großen Beifall. Jetzt wurde die Versammlung richtig lebhaft, alle redeten eine Weile durcheinander, schmiedeten Pläne, verwarfen sie und fingen wieder von vorne an. Alle waren mit Feuereifer bei der Sache. Sie besprachen stundenlang Einzelheiten. Als sie sich endlich auf einen Plan einigten, wurde es schon wieder hell und Zeit sich auf den Weg zu machen. Mimi band sich die Schachtel mit den Tüchern auf den Rücken. Gwendolin und der Fuchs trugen abwechselnd den Teddy. Die Vögel wiesen ihnen den Weg.

Hier geht die Geschichte weiter…

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