Der Kopf im Haus

Philip Pinguin erzählt

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Gwendolin und Paula – 12. Kapitel

Neulich habe ich schon einmal einen Anlauf genommen, den Rest der Geschichte von Paula und Gwendolin zu erzählen, aber da ist mir Fred dazwischen gekommen. Er hüpft immer noch immer jeden Tag ziemlich lange wie wild auf seiner Tastatur herum. Inzwischen schafft er auch schon einen zweifachen Überschlag. Er ist richtig stolz auf sich, aber er will uns nicht verraten wofür er übt.

Aber ich komme schon wieder von dem ab, was ich noch erzählen wollte. Also: Paula hat alle Tücher aufgehoben, die eine so wichtige Rolle bei ihrer Befreiung gespielt haben. Sie mochte sie nicht einmal zurück in die Schachtel legen. Ihren Platz im Zimmer hatte sie noch nicht eingerichtet und so lagen die Tücher auf der Matratze verstreut herum.

Ab und zu nahm Paula eines der Tücher und wickelte es um ihren Hals. Dann fing sie an, vor dem Spiegel im Flur auszuprobieren, wie sie die Tücher anders verwenden konnte. Sie ist da sehr erfinderisch geworden. Wenn einer der anderen sich den Tüchern näherte, achtete sie darauf, dass niemand sie schmutzig machte.

Die anderen neckten sie und machten sich manchmal einen Spaß daraus, sich ein paar von den Tüchern zu greifen und damit nach draußen zu rennen. Die zarten Tücher mit ihren leuchtenden Farben flatterten so schön im Wind. Aber Paula wartete angstvoll darauf, dass alles wieder heil an seinem Platz lag. Wo konnte sie die Tücher nur sicher verstauen?

Eines Tages passte Gwendolin nicht auf und ein Tuch verhakte sich in einem Strauch und zerriss. Gwendolin ließ vor Schreck den Teil, den sie noch in der Hand hatte, los und der Wind riss ihn mit sich fort. Paula kam angestürmt, umsonst. Ein rot und orange gefärbtes Stück Stoff verschwand langsam am Horizont. Gwendolin entschuldigte sich zerknirscht. Paula war so untröstlich als wäre ein Teil von ihr verloren gegangen. Vielleicht hatte sie es wirklich so empfunden. Davon waren Mimi und Gwendolin überzeugt, haben sie mir erzählt. Sie hatten sich nie Gedanken darüber gemacht, wie viel Paula die Tücher bedeuteten.

Vorsichtig lösten sie gemeinsam den Rest des Tuches aus dem Strauch. Und dieses Stück ist bis heute das Lieblingsteil, das Paula ganz besonders am Herzen liegt. Auf jeden Fall hat seit dem Tag niemand mehr Paulas Tücher angerührt.

Und dann hatte Paula plötzlich eine Idee: auf dem Boden hatte sie irgendwann ein altes Puppenhaus gesehen. Ob das eine Lösung wäre? Sie kletterte auf den Boden. Sie musste eine ganze Weile suchen bis sie das Puppenhaus wiederfand. Es war viel zu klein. Sie hockte lange davor und malte sich aus, wie es wäre, wenn das Haus groß genug für sie wäre. Sie steckte ihren Kopf so weit wie möglich hinein, um zu sehen, wie die Zimmer eingerichtet waren. Aber außer Staub und Spinnweben, die die letzten Bewohner des Hauses hinterlassen hatten, gab es nichts zu sehen. Die Möbel waren längst abhanden gekommen.

Paula musste niesen. Und plötzlich steckte ihr Kopf in dem Puppenhaus fest. Im ersten Augenblick überfiel sie Panik und sie machte den Mund auf, um zu schreien. Dabei gerieten ihr Staub und Spinnweben in Mund und Nase und sie bekam keine Luft mehr.

Sie zerrte mit Händen und Füßen an dem Haus, um ihren Kopf zu befreien. Endlich hatte sie es geschafft. Sie japste nach Luft, ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Das war gerade noch mal gut gegangen. Sie raste die Treppen hinunter in ihr Zimmer. Mimi und Gwendolin starrten sie an als sie keuchend angerannt kam. Paula war über und über mit Staub und Spinnweben bedeckt und der Schreck saß ihr noch in den Gliedern.

Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hatte, erzählte sie den beiden von ihrem Erlebnis und dass sie gern so ein Haus hätte. Allerdings würde ihr Haus kein festes Dach brauchen, sondern sie wollte stattdessen Tücher als Dach verwenden. Die könnte sie dann wechseln, wenn sie Lust auf andere Farben und Muster hatte.

Zu dritt stiegen sie nach oben. Paula zeigte ihnen das Haus.

„Und so ein Haus hättest du gern passend für dich?“ fragte Mimi.

Paula nickte. „Ob es so was gibt?“

„Das ist doch ganz einfach. Wir fragen, ob du so ein Haus bekommen kannst.“ meinte Mimi und Gwendolin bekräftigte:

„Ich habe doch meine Hängematte bekommen, also warum solltest du das Haus nicht bekommen?“

„Meint ihr wirklich?“ Paula sah die beiden hoffnungsvoll an.

„Klar, komm wir gehen fragen.“

Und das taten sie. Die Antwort lautete, sie würde es bekommen, Es würde allerdings einige Zeit dauern, schließlich müsste das Haus erst gebaut werden. Paula strahlte. Sie wartete voller Ungeduld.

Als sie eines Tages von dem Besuch bei Gwendolins Mutter heimkehrten, war das Haus da. Es war aus Holz gebaut und hatte zwei Räume. Unten einen mit vielen Regalen für Paulas Tücher und außen am Haus führte eine Treppe nach oben ins Schlafzimmer. Dort lagen Kissen und Decken. Wenn Paula wollte, konnte sie die Türen zuschieben.Das Dach fehlte, so wie sie es sich gewünscht hatte.

Sie standen davor, bewunderten das Haus; sie kletterten nach oben, wieder nach unten und schoben die Türen auf und zu. Danach waren sie lange damit beschäftigt, die Tücher in das Haus zu räumen. Paula legte jedes erst einmal als Dach auf das Haus, um die Wirkung zu sehen, bevor sie es im Regal verstaute.

Übrigens: Sie wechselt die Tücher immer noch nach Lust und Laune.

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