Fred – die Arachnida colorada superior

Philip Pinguin erzählt

Fred
Download

Also heute wollte ich Dir eigentlich Paulas Geschichte zu Ende erzählen. Da fehlt noch ein kleines Stück. Ich wollte gerade anfangen, da kam Fred ……Nachdem er mich jetzt völlig von meinem Vorhaben abgebracht hat, erzähle ich Dir erstmal, wie wir Fred kennengelernt haben.

Neulich strolchten Gwendolin und ich durch den Wald. Auf einmal hörten wir seltsame Geräusche. Wir blieben stehen und lauschten. Es klang als ob jemand jammerte und stöhnte…

„Da, aus dem hohlen Baum; ich seh’ mal nach.“ Gwendolin kletterte auch schon leichtfüßig den Stamm, der ungefähr drei Meter hoch war, empor.

„Ist da jemand?“

„Ja, hier unten“, ertönte eine klägliche Stimme aus der Tiefe. „Ich bin abgerutscht und runtergefallen, jetzt hänge ich hier fest. Ich kann mich nicht mehr rühren und mir tut alles weh.“

„Wir helfen dir. Du musst nur ein bisschen Geduld haben. Der Stamm ist innen ganz glatt und rutschig. Wir brauchen unbedingt ein Seil.“

Ich flitzte schon los. „Bring noch einen der anderen und eine Lampe mit!“ rief Gwendolin mir noch nach.

Völlig außer Atem kam ich zuhause an. Paula war im Garten.

„Jemand ist in einen hohlen Baum gefallen. Wir brauchen ein Seil und Licht und noch Hilfe!“

„Das Seil ist im Schuppen; ich hole eine Taschenlampe.“

Im Schuppen lag tatsächlich ein aufgerolltes Seil, nicht besonders dick, aber es würde reichen. Ich hatte es mir kaum geschnappt und umgehängt, da kam Paula auch schon mit einer Lampe angerannt.
Als wir den Baum erreichten, saß Gwendolin immer noch oben. Sie redete dem Verunglückten gut zu.

„Gut, dass ihr da seid. Fred, so heißt er, geht es ziemlich schlecht. Er ist schon seit drei Tagen da unten.“

Paula nahm das eine Seilende und kletterte hinauf, dann ließ sie das Ende vorsichtig in den Baum hinunter. Ich warf Gwendolin die Lampe zu, ergriff das andere Ende des Seils und wickelte es um den Stamm.

„Ich steig’ runter und du leuchtest“, sagte Gwendolin und gab Paula die Lampe.

„Einverstanden.“ Paula knipste die Lampe an. Außer einem bunten Fleck am Grund konnten sie nichts erkennen. Gwendolin hangelte sich langsam am Seil hinunter.

„Vorsichtig! Du trittst auf mich drauf!“ schrie Fred.

„Ich bin ja vorsichtig und neben dir ist Platz genug.“

Das war ziemlich übertrieben. Gwendolin hatte Mühe neben Fred zu stehen.

„Ich binde das Seil um deinen Bauch, dann mache ich deine Füße los und wir ziehen dich hinauf.“

„Auah! Du zerdrückst mich!“

Seine Beine hatten sich im vermoderten Holz verfangen. Es war eine mühselige Arbeit ihn loszumachen. Kaum hatte Gwendolin ein Bein frei bekommen, fing Fred an, herumzuzappeln und die anderen Beine rutschten tiefer in den klebrigen Moder.

„Halt endlich still! Sonst werden wir nie fertig.“

Schließlich hatte sie es geschafft. „Zieht ganz langsam ein Stück hoch.“ Das taten wir.

„Auah, ihr reißt mir ein Bein aus!“

Wieder hatte er es fertig gebracht, ein Bein zu verhaken. Gwendolin befreite ihn noch einmal und dann konnten wir ihn hochziehen; Paula half ihm oben über die Kante und ich nahm ihn unten in Empfang. Die ganze Zeit über hatte er gezetert und gejammert, wir würden ihn noch umbringen. Jetzt stand er auf wackeligen Beinen auf dem Boden und befühlte vorsichtig seinen ganzen Körper; alles schien heil zu sein. Gwendolin und Paula gesellten sich zu uns und wir staunten Fred an. So jemanden hatten wir noch nie gesehen:

Sein eiförmiger Körper und der Kopf, der auf einem langen rosa Hals saß, waren lila. Er hatte sechs gelbe und zwei grüne Beine und dazu grüne Schwanzfedern.

Mit seinem Geschrei hatte er Rabe herbeigelockt. Fred zuckte erschrocken zusammen, aber Rabe hüpfte nur um Fred herum und beäugte ihn von allen Seiten.

„Merkwürdige Gattung. So einer ist mir noch nie über den Weg gelaufen. Ist aber zu groß zum Fressen,“ verkündete er dann. „Und die vielen Farben, wer weiß, was da alles an Farbstoffen drin ist.“

„Ich bin eine Arachnida colorada superior und keine merkwürdige Gattung! Und ich heiße Fred. Und außerdem ist diese Art sehr selten. Und ich bin ein besonders seltenes Exemplar!“ schrie er empört. „Und die Farben sind echt.“

Rabe grinste ihn fröhlich an. Fred brauchte eine Weile bis er begriffen hatte, dass Rabe seine Worte wohl nicht ganz ernst gemeint hatte. Dann grinste er etwas schief zurück.

Wir nahmen ihn mit nach Hause und gaben ihm erst einmal etwas zu essen und trinken, damit er wieder zu Kräften kam.

Wenn es ihm gerade so gefällt, wohnt Fred bei uns. Dann wieder verschwindet er tagelang irgendwohin und tut sehr geheimnisvoll, wenn er wiederkommt. Wenn er hier ist, kommen wir meistens gut mit ihm aus, aber manchmal treibt er uns wirklich zur Verzweiflung. So wie heute als er plötzlich auftauchte und anfing meine Tastatur als Trampolin zu benutzen.

asdfjkadslkäjf läjarfto9iaermgt wertoqkäajkä bmö

„Fred verschwinde von der Tastatur! Ich will weiter machen.“

q465284v 4joü q456i+qpv retkmqj+

„Fred, verzieh dich!“

Fred hüpfte wie verrückt auf der Tastatur herum. Er drehte sich, versuchte ein Rad zu schlagen. Plumpste hin. Rappelte sich wieder auf und turnte weiter auf der Tastatur herum. Ich saß da und starrte entgeistert auf sein wildes Treiben. Dann rief ich die anderen, damit sie es sich mit eigenen Augen ansehen konnten. Das hätte mir sonst doch keiner geglaubt. Gwendolin und Paula kamen sofort angerannt.

Fred bemerkte, dass er mehr Zuschauer hatte. Er führte uns einen besonders hohen Sprung mit Drehung und Überschlag vor. Er kam etwas unsicher auf und rutschte mit seinen Beinen zwischen die Tasten. Er klemmte fest und schrie auf.

Gwendolin handelte als erste. Sie kletterte auf den Tisch und fasste Fred vorsichtig mit beiden Händen um den Bauch. Sie hob ihn etwas an, während ich die entsprechenden Tasten drückte um seine Beine zu befreien. Aber Fred zappelte herum und jammerte: so wie ein Bein befreit war, steckte ein anderes schon wieder fest. Als ob wir es mit einem Tausendfüßler zu tun hätten. Paula kam uns zu Hilfe und hielt Freds befreite Beine fest. Aber Fred strampelte sich immer wieder frei.

„Auah, du zerquetscht mich!“ schrie er Gwendolin an.

„Wenn du nicht gleich mithilfst statt so rumzuzappeln, wirst du erleben, wie das ist, wenn ich anfange, dich zu zerquetschen.“

„Ihr seid alle gegen mich! Das sage ich Mimi!“

„Was willst du mir sagen? Dass Gwendolin, Paula und Philip sich redlich Mühe geben, dich aus deiner selbstverschuldeten elenden Lage zu befreien und du es ihnen besonders schwer machst?“ Mimi stand im Türrahmen und sah Fred an. Der grinste plötzlich, er wirkte fast ein wenig schuldbewusst. Er hielt still und wir hatten ihn ganz schnell befreit.

„Was soll das Spiel auf der Tastatur?“ fragte ich ihn.
„Ich muss doch üben.“
„Üben? Was musst du üben?“
„Das darf ich nicht verraten.“
„Und das muss unbedingt auf der Tastatur sein, wenn ich damit arbeiten will?“
„Ja, sonst gehen doch die Tasten nicht.“
„Wie kommst du denn darauf? Hast du das ausprobiert?“
„Nein. Ich dachte, die bewegen sich nur, wenn alles eingeschaltet ist.“
„Stimmt nicht. Sie bewegen sich auch, wenn das Ding irgendwo in der Ecke steht.“
„Das heißt du brauchst nur die Tastatur? Die Buchstaben auf dem Bildschirm sind dir gleichgültig?“ schaltete sich Mimi ein.
„Ja, das stimmt.“
„Im Keller ist eine Kiste, in der liegt altes Computerzubehör. Da ist bestimmt auch noch eine Tastatur dabei. Sollen wir nachsehen? Dann hättest du deine eigene. Wie wäre das?“ fragte Gwendolin.
„Oh ja, lass uns gleich nachsehen.“ Fred strahlte geradezu.

Und so marschierten wir alle in den Keller. Wir fanden die Kiste und eine richtig gut erhaltene Tastatur.

Wir zerrten sie samt Kabel aus der Kiste und nahmen sie mit in unser Zimmer.
Sie steht jetzt in einer Ecke und Fred kann jederzeit üben, wenn ihm danach ist. Aber er achtet darauf, nur dann seine Sprünge zu vollführen, wenn einer von uns in der Nähe ist. Er braucht des Öfteren unserer Hilfe, wenn er wieder mal eingeklemmt ist. Er hat uns aber bisher nicht verraten, wofür er übt.

Jedenfalls: der Rest von Paulas Geschichte folgt in den nächsten Tagen. Für heute reicht es mir.

Schreibe einen Kommentar